Reinhard Scherer

1948 in Wangen im Allgäu geboren. 1972 – 73 Studium an der Freien Kunstschule Stuttgart. 1973–77 Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie Stuttgart bei Rudolf Hoflehner. Lebt und arbeitet in Alfdorf-Pfahlbronn.

Brennpunkt, 1989 - 91, Eisen, Bahnhofplatz

Die mehrteilige Eisenskulptur auf dem Bahnhofsvorplatz ist eines der wichtigsten Werke Reinhard Scherers und kann exemplarisch für sein bildhauerisches Konzept stehen. In seinen Arbeiten für den öffentlichen Raum setzt er sich stets mit den vorgegebenen räumlichen und sozialen Strukturen des jeweiligen Standorts auseinander. Auch hier reagiert er auf die Architektur, die den halbkreisförmigen Platz umschließt, auf die Blickachsen, die diese freigibt, und auf die Bewegungsachsen, entlang derer sich die Menschen uüber den Platz bewegen. Darüber hinaus thematisiert die Skulptur selbst Erfahrungen, die nicht nur ihrem Standort vor einem Bahnhof entsprechen, sondern die sich auch wie Leitmotive durch das Schaffen des Künstlers ziehen. Es geht um Kräfte und Energien und um Bewegungen im Raum. Die Elemente, die Reinhard Scherer hierzu benutzt, sind aus anderen Werken des Künstlers vertraut. Da sind zum einen die Flächensegmente mit ihren unregelmäßigen Schnittkanten und die zu Kreissegmenten gebogenen massiven eisernen Vierkantstäbe. Am einprägsamsten ist hier das Kreissegment, das sich – die es stuützenden, eher statischen Skulpturenteile scheinbar nur streifend – hoch über dem Platz aufschwingt und den Passanten dazu anregt, die angedeutete Bewegung im Geist weiterzuführen. Gerade die angesprochenen Elemente der Skulptur fügen sich fast beiläufig zu einer ganz in Bewegung und Energie aufgelösten Torsituation, die einen zwar monumentalen, aber – da dynamisch und eben nicht statisch – auch unserer modernen Zeit vollkommen angemessenen Stadteingang markiert. Die Skulptur als Ganzes unterstreicht deutlich den Anspruch des von 1989 bis 1991 neugestalteten Bahnhofsplatzes, in Zukunft mehr als die bloß funktionale Mitte der Stadt zu sein.